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Ein Lab 4.0 für steirische Äpfel

Was macht einen typisch steirischen Apfel aus? Dass er frisch und knackig schmeckt, so wie es die Werbung verspricht? Antworten gibt Lebensmittelexperte Franz Siegfried Wagner vom Institut Dr. Wagner, das seit mehr als 20 Jahren als „TÜV für steirische Lebensmittel“ im Einsatz ist. Wagner wurde soeben für seinen Verdienst um die steirische Wirtschaft das Recht zur Führung des Steirischen Landeswappens verliehen und er arbeitet an einem neuen Lab 4.0 für die Lebensmittelwirtschaft.

Analysiert man einen Apfel in einem Lebensmittellabor, stehen dabei vor allem Parameter wie die Prüfung auf mögliche Schadstoffe und Inhaltsstoffe im Fokus. KonsumentInnen erwarten nicht nur ein Produkt, das gut schmeckt, sondern vor allem auch ein gesundes Produkt. In allen EU-Ländern gibt es dafür ein gemeinsames Vorgehen, damit Handelsspezifikationen für Lebensmittel über die nationalen Grenzen hinweg in Form von EU-Verordnungen harmonisiert sind. Die Anforderungen an die Analysen selbst, aber auch der Bedarf nach Information und Interpretation von Ergebnissen, haben sich in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt, bestätigt Franz Siegfried Wagner, Leiter des im Impulszentrum Lebring angesiedelten Instituts Dr. Wagner: „Wir setzen in unserem Institut gerade ein Projekt in den Bereichen Smart Services und Automatisierung unter dem Titel ‚Lab 4.0‘ um und sind dabei, eine moderne Webapplikation als LIMS (Labor- und Informationsmanagementsystem) zu etablieren, die alle qualitätsbestimmenden Prozesse vom Hersteller bis zum Handel abbilden soll.“

 

Institut Dr. Wagner - Team (Entwicklung Smart Service)

Dr. Franz Siegfried Wagner (li. am Bild) und sein Team entwickeln gerade ein Smart Service (Credit: Schreinlechner)

 

Lab 4.0 als Smart Service

Für das Beispiel Apfel heißt das dann: Wenn eine Firma, wie z. B. eine Apfel-Erzeugergemeinschaft, den Auftrag erhält, 2 Züge Äpfel nach Deutschland zu liefern, müssen diese Äpfel zuerst geprüft werden. Über die Lab 4.0 Plattform kann die Firma dazu direkt im System, aber auch aus ihrem Warenwirtschaftssystem über definierte Schnittstellen einen Auftrag erstellen, interne Spezifikationen für die Produkte hinterlegen und auch den erforderlichen Prüfplan für die geforderten Handelsspezifikationen auswählen sowie einen Prüfauftrag anlegen. Kommt die Prüfprobe in das Labor, wird diese dann nicht nur physisch, sondern auch digital durch Scannen der vergebenen Kennung mit allen erforderlichen Informationen direkt in das laborinterne LIMS des Instituts übernommen. Auch die Prüfung des Apfels im Labor selbst erfolgt vernetzt im gleichen System und in direkter digitaler Kommunikation mit dem Auftraggeber. KundInnen haben die Möglichkeit, bei der Analyse „dabei zu sein“ und den Fortgang der Prüfungen einsehen. Nicht nur die MitarbeiterInnen und die Prüfleitung des Instituts, auch die Software der Mess-Systeme des Instituts sind in dieses Smart Service eingebunden. Über einen detaillierten Audit Trail kann jede Tätigkeit verfolgt werden und wird so aktiver Teil einer umfangreichen Qualitätssicherung, denn das Institut Dr. Wagner ist international nach ISO 17025 als Prüfstelle für Lebensmittel akkreditiert. Ist die Prüfung des Apfels erfolgreich abgeschlossen, erfolgt die automatisierte Übermittlung aller digital signierten Dokumente und auch der dazu freigegeben dynamischen Daten über die gleiche Plattform direkt zurück in das Warenwirtschaftssystem des Kunden bzw. der Kundin. Damit ist der Kreis geschlossen. Die KundInnen können auf jedem internetfähigen Gerät (Handy, Tablet, Computer etc.) alle Daten und Dokumente der Prüfaufträge jederzeit einsehen und auch detaillierte Auswertungen vornehmen.

 

Erstmaliger Einsatz der smarten Innovation

„Corona hat den Start der Inbetriebnahme des neuen Lab 4.0 zwar verzögert, aber seit Anfang Mai kommt das neue System erstmals für die Abwicklung der Prüfung aller österreichischen Obst- und Gemüseprodukte für das AMA-Gütesiegel im Institut Dr. Wagner zum Einsatz“, freut sich Wagner.

 

Qualitätsentwicklung für steirische Lebensmittel

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet das Institut Dr. Wagner im Dienst der steirischen Lebensmittelwirtschaft und begleitet viele regionale Produzenten in der Produktentwicklung und Qualitätssicherung. Neueste analytische Verfahren zur Bestimmung der Authentizität von steirischen Lebensmitteln sind Inhalte verschiedener Forschungsprojekte in Kooperation mit der TU Graz und internationalen TechnologiepartnerInnen. Im Moment werden die Potenziale von Technologien wie die des chemometrischen Fingerprintings mittels Time-of-Flight Massenspektrometrie für die Prüfung der Echtheit und Herkunft von steirischem Kürbiskernöl und steirischem Wein DAC getestet.

Dem Institut Dr. Wagner wurde soeben für seinen Verdienst um die steirische Lebensmittelwirtschaft das Recht zur Führung des Steirischen Landeswappens verliehen.

 

Auch die Prüfung der Farbe des Steirischen Kürbiskernöls auf Echtheit zählt zu den Aufgaben des Instituts Dr. Wagner (Credit: Schreinlechner).

 

(Foto Titel: Tom Swinnen/Pexels)

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