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„Der Kunde will Wärme, der Ofen ist ihm egal“

Das „Smart Service der Stunde“ eines Ofenbauers liegt daher auf der Hand: Wärme liefern. Eugen Brenner, „Smart-Service-Guru“ der TU Graz, über Potenziale von Smart Services für KMU und unterschiedliche Definitionen.

Da es ja viele verschiedene Definitionen gibt: Wie definieren Sie Smart Service?

Eugen Brenner: Ja, da gibt es tatsächlich viele verschiedene Zugänge. Für mich ist es ein Smart Service, wenn ich Daten erfasse, aus ihnen etwas ableite bzw. einen Bedarf erkenne, der sonst nicht erkannt worden wäre. Also, dass ich aus einem Prozess Daten gewinne und basierend auf diesen Daten früher entscheiden kann, was passieren soll.

 

Inwiefern profitieren KMU von Smart Services?

Brenner: Da gibt es zahlreiche Erfolgsbeispiele, auch in der Steiermark. Wir haben ein Unternehmen aus der Nähe von Graz betreut, das Klein-Brauereien für die Gastronomie herstellt. Zuerst haben sie nur das Produkt verkauft, also den Kessel. Dann gab es erste Anfragen, ob nicht auch die Zutaten für das Bierbrauen mitgeliefert werden könnten und auch das Rezept. Heute geht das Unternehmen soweit, dass es die Anlagen in aller Welt von der Steiermark aus fernsteuern kann. Der Materialbedarf wird laufend erkannt und die Kunden zeitgerecht beliefert.

Oder auch ein Ofenbauer aus der Weststeiermark: Eigentlich ist der Kunde ja an Wärme interessiert. Deshalb begann der Ofenbauer damit, die Öfen selbst zu betreiben und z. B. in einem Krankenhaus aufzustellen. Das Krankenhaus kauft aber „nur“ die Wärme.

 

An der TU Graz beschäftigt man sich bereits seit rund 10 Jahren mit Smart Services. Wie kam es dazu?

Brenner: Am Anfang waren es hauptsächlich Einzelaktivitäten und vor allem lief es nicht unter dem Begriff Smart Services. Wir haben uns mit Datenaustausch beschäftigt. Bzw. haben wir Unternehmen dabei geholfen, ihre Daten besser zu nutzen. Vor 7 Jahren hat dann Helmut Aschbacher bei mir studiert und den Begriff Smart Service forciert. So kam es, dass wir unser Lehrveranstaltungsprogramm adaptiert bzw. eine eigene Lehrveranstaltung dafür ins Leben gerufen haben. Mit ANDRITZ und INFINEON haben wir dann auch gleich die ersten Projekte umgesetzt.

 

Steigt bei den Unternehmen das Bewusstsein für das Potenzial von Smart Services?

Brenner: Ja, es tut sich auf jeden Fall etwas. Man bemerkt, dass sich ein Produkt ohne Wartungsvertrag bzw. regelmäßige Updates kaum mehr verkaufen lässt. Und wenn ich den Bedarf an Updates basierend auf Daten erkenne, ist es ein klassisches Smart Service. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass man einen Wartungsvertrag verkauft, wo man im Vorfeld die Wartungsintervalle definiert hat und die sind in Stein gemeißelt.

 

Nähere Infos zu den Kooperationsmöglichkeiten mit Eugen Brenner bzw. dem Institut für Technische Informatik …

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