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Kann der Mensch einem Roboter vertrauen?

Ja, sagt die Grazer Psychologin Bettina Kubicek im Interview für den SBC-Newsletter. Dabei sei es irrelevant, wie ähnlich Roboter dem Menschen sind. Entscheidend ist etwas ganz anderes …

Bettina Kubicek leitet den Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie am Institut für Psychologie der Uni Graz. Sie forscht zum Thema „Mensch-Roboter-Interaktion“.

 

Vertrauen in Roboter

 

Ist es überhaupt möglich, einem Roboter zu vertrauen? Ist Vertrauen nicht ein Empfinden, das nur zwischen Menschen funktioniert?

Bettina Kubicek: Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen sozial auf Technologie reagieren und sich gegenüber technischen Geräten ähnlich verhalten wie gegenüber anderen Menschen. Dies trifft auch auf Roboter zu. Dabei ist es irrelevant, ob Roboter dem Menschen ähnliche Agenten sind. Vielmehr kommt es darauf an, ob uns Roboter wie Agenten erscheinen. Wir behandeln Roboter, als ob wir ihnen wie sozialen Wesen begegnen könnten. Deshalb spielt Vertrauen in der Interaktion mit Robotern eine Rolle. Die Tendenz des Menschen, sich sozial auf Technologie zu beziehen, schafft die Grundlage dafür, den Vertrauensbegriff auf Mensch-Roboter-Beziehungen zu übertragen.

 

Warum ist es wichtig, Vertrauen zwischen Menschen und Robotern aufzubauen?

Kubicek: Zur Etablierung effektiver und produktiver Mensch-Roboter-Beziehungen ist die Schaffung von angemessenem Vertrauen der menschlichen Akteure in Roboter essentiell. Vertrauen beeinflusst die Bereitschaft der Menschen, sich auf Informationen und Vorschläge von Robotern zu verlassen. Sowohl Misstrauen als auch blindes Vertrauen können zu einem fehlerhaften Einsatz von Robotern führen. Die Entwicklung angemessenen Vertrauens der Menschen in Roboter ist folglich eine der größten Herausforderungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter.

 

Wenn Roboter Arbeitskräfte ersetzen

 

Welche Rolle spielt es die Befürchtung einiger Menschen, Roboter würden menschliche Arbeitskräfte ersetzen?

Kubicek: Das ist ein wichtiger Aspekt, der auch dazu beiträgt, dass die Einstellungen gegenüber Robotern negativ sind und Misstrauen vorhanden ist.

 

Gibt es hier kulturelle/soziale Unterschiede bzw. Vergleichsstudien mit anderen Ländern?

Kubicek: Insgesamt liegen zu diesem Thema noch zu wenige Arbeiten vor, um über sicheres Wissen zu verfügen. Aber einzelne Studien zeigen, dass jüngere Personen Robotern mehr vertrauen als ältere Personen. Außerdem zeigt sich, dass Robotern in asiatischen Ländern tendenziell ein höheres Vertrauen entgegengebracht wird als in US-amerikanischen oder europäischen Ländern.

 

Forschungen zur „Mensch-Roboter-Interaktion“

 

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Forschungsthema „Mensch-Roboter-Interaktion“ gekommen?

Kubicek: Aufgrund des technologischen Fortschritts verfügen Roboter zunehmend über Funktionen, die es ihnen ermöglichen, aus Erfahrungen zu lernen, Entscheidungen zu treffen und sich in komplexeren Umgebungen zu bewegen. Diese Eigenschaften sollen in Zukunft dazu beitragen, dass Roboter ihre primär werkzeugbasierte Rolle ablegen und mit Menschen in den unterschiedlichsten Kontexten zusammenarbeiten. Dies kann etwa in der Pflege oder in der Katastrophenhilfe, der Fall sein. Roboter könnten gemeinsam mit Menschen eine Dienstleistung erbringen oder ein Produkt fertigen. Mein Anliegen ist es, die Mensch-Roboter Kollaboration so zu gestalten, dass Roboter Menschen im Arbeitsprozess unterstützen. Das bedeutet auch, bei der Arbeitsteilung zwischen Mensch und Roboter darauf zu achten, dass menschliche Arbeit sinnstiftend und motivierend bleibt und zu persönlicher Entwicklung und physischem und psychischem Wohlbefinden beiträgt. Aus dieser Motivation heraus forsche ich zu dem Thema Mensch-Roboter Interaktion.

 

Bettina Kubicek (Forscherin zum Thema Roboter)

Psychologin Bettina Kubicek beschäftigt sich mit der Interaktion zwischen Menschen und Robotern.

(Credit: Astrid Knie)

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