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Wie ein virtuelles Kraftwerk die Energieeffizienz steigert

Gemeinsam ist man stärker – und auch energieeffizienter. Ein virtuelles Kraftwerk summiert und steuert die Leistungen von mehreren Energieressourcen und sorgt damit für höhere Energieeffizienz. Das österreichische IT-Unternehmen cyberGRID forscht im Impulszentrum Lebring daran, das Potenzial der digitalen Vernetzung zwischen Energieressourcen noch besser auszuschöpfen. Immer stärker werden dabei die EndverbraucherInnen integriert, wie das mit 36 Millionen Euro dotierte EU-Projekt „InterConnect“ zeigt.

Die Anzahl an dezentralen Produktionseinheiten im Stromnetz nimmt zu. Gerade im Photovoltaik- und Windkraft-Bereich gibt es viele kleine Anlagen. Über ein sogenanntes virtuelles Kraftwerk können diese gebündelt und die Stromerzeugung gemeinsam vermarktet werden. „Am Strommarkt wird diese gebündelte Stromerzeugung dann wie ein großes Kraftwerk wahrgenommen“, erläutert Christoph Gutschi, Senior Project Manager bei cyberGRID. Das Unternehmen beschäftigt sich mit virtueller Kraftwerkstechnologie und betreibt im Impulszentrum Lebring ein Büro zur Erforschung der Steigerung von Energieeffizienz, etwa durch Integration einer großen Anzahl an erneuerbaren Stromquellen. „Ein virtuelles Kraftwerk wird über ein zentrales Leitsystem gesteuert. So wird es möglich, die einzelnen Anlagen effizienter zu betreiben und Energiespitzen bzw. -defizite auszugleichen.“ Bei starkem Wind können Windkraftwerke viel Energie liefern, die Steuerung regelt daher die restlichen Kraftwerke herunter. Bei starkem Sonnenschein hingegen wird die Energie der Photovoltaikanlagen verstärkt im Netz genutzt. All das funktioniert in Echtzeit.

 

Über ein virtuelles Kraftwerk können private Photovoltaik- und Windkraftwerke gebündelt und die Stromerzeugung gemeinsam vermarktet werden (Credit: DiyanaDimitrova/iStock)

 

Virtuelles Kraftwerk mit machine-to-machine-Kommunikation

Um ein virtuelles Kraftwerk zu entwickeln, braucht es intensive Forschungstätigkeiten. In Lebring betreibt cyberGRID dazu eine Simulationsumgebung. „In dieser können wir die Software für virtuelle Kraftwerke unter realen Bedingungen testen, was im Entwicklungsstadium natürlich viel effizienter ist, als wenn wir dafür reale Kraftwerke nutzen müssten”, erläutert Gutschi. m2m-Kommunikation (Maschine-zu-Maschine-Kommunikation) spielt dabei eine immer stärkere Rolle. „Es wird in Zukunft fachlich versierte Personen geben müssen, die den Überblick über die Smart Grids, also die intelligenten Energienetze, haben. Teilentscheidungen, also etwa das Ausnutzen von Energiespitzen bei starkem Wind, treffen die Systeme aber immer stärker automatisch, weil dies deutlich effizienter ist.“

 

Nähe zu Slowenien als Standortvorteil

cyberGRID betreut mehrere KundInnenen in Slowenien, was mitentscheidend für den Standort im Impulszentrum Lebring war. „Die Infrastruktur hier ist ideal, wir sind direkt an der Autobahn und rasch in Slowenien, aber auch in Wien und Graz. Da passt einfach alles.“

 

Freie Kapazitäten im Stromnetz nutzen

Seit Oktober 2010 ist das Unternehmen Partner im mit 36 Millionen Euro dotierten EU-Forschungsprojekt „InterConnect“. Ziel ist es, die Energieeffizienz bei den EndverbraucherInnen zu steigern und ihnen die Möglichkeit zu geben, aktive TeilnehmerInnen im Stromnetz zu werden. Ein Beispiel: Die BewohnerInnen eines Smart Homes nutzen ihre Photovoltaik-Erzeugung nicht voll aus. Die Cloud-Plattform erkennt dies und speist die verfügbare Energie in das Netz ein, wo sie anderweitig genutzt werden kann. Sowohl die NutzerInnen als auch die BetreiberInnen würden finanziell profitieren, Leistungsverluste werden minimiert.

 

InterConnec tGrafik

Übersicht über die im Projekt „InterConnect“  untersuchten Mechanismen für den Stromhandel (Quelle: Milenko Tosic, InterConnect WP5 Leader, Digital Platforms and Marketplace)

 

Maximale Sicherheit, geringere Stromkosten

Damit dies funktioniert, braucht es allerdings eine kompatible und sichere Datenkommunikation zwischen den Systemen, die über die preisgekrönte Flexibilitätsmanagement-Plattform von cyberGRID ermöglicht wird, gemeinsam mit anderen TechnologiepartnerInnen im Projekt. Um eine relevante Testgröße für das Projekt zu erreichen, werden derzeit 7 groß angelegte Pilotsysteme mit verschiedenen EndnutzerInnen in mehreren Ländern (Deutschland, Italien, Niederlande, Frankreich, Griechenland, Portugal und Belgien) getestet. Langfristiges Ziel dieser Pilotprojekte ist es, eine digitale und voll kompatible Marktumgebung für elektrische Systeme zu schaffen, die Betriebs- und Investitionskosten reduziert. Das Projekt läuft noch bis 2023.

 

Weitere Informationen bei Projektmanagerin Cami Dodge-Lamm:
cami.dodge-lamm@cyber-grid.com
www.interconnectproject.eu

 

Das Projekt wird im Rahmen vom EU-Projekt Horizon 2020 Research and Innovation Programm gefördert (grant agreement Nr. 857237).

Weitere Termine

28oct16:0018:00Impulstalk des InnolabSmart Business Center Graz West, Reininghaustraße 13

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